Utopia.de kenne ich schon lange und ich war auch einer der ersten “Utopisten”, so nennt man die Mitglieder der Online-Community. Ich hatte gehofft, dass Nachhaltigkeit vorangebracht werden kann, ge-”mainstreamed”. Und zum Teil ist es auch Utopia.de zu verdanken, dass Nachhaltigkeit nun bekannter ist. Voller Hoffnung habe ich die ersten Wochen und Monaten mitverfolgt, was da alles los war – und es war richtig spannend!
Aber langsam änderte sich Vieles. Mittlerweile sieht es leider nicht mehr so schön aus. Einer ihrer letzten Aktionen hat mich stutzig gemacht, nämlich die die Aktivitäten von Utopia mit Krombacher.
Krombacher hat nun das Changemaker-Manifest – eine Art Selbstverpflichtung – von Utopia Ende Mai 2011 unterschrieben (auch nicht ohne Kritik) um zu zeigen, dass das Nachhaltigkeitsengagement ausgebaut werden soll. Die erste gemeinsame Aktion ist es dabei, das Klimaschutzprojekt in Borneo bekannter zu machen und dabei einen Wettbewerb auszurufen: Man sucht einen ambitionierten Klimaschützer, damit dieser um die halbe Welt geschickt werden kann. Naja, viertel-Welt, es sind ca. 10.000km Luftlinie. Und dann wieder 10.000km zurück.
Aber soweit ich weiß, gab’s das Projekt vorher auch schon – nämlich in Kooperation mit dem WWF (ob WWF der beste Partner ist werde hier erst mal auslassen). Diese Aktivität mit Utopia dient – meiner Meinung nach – also eher als Marketingaktion. Und um mehr Flug-CO2 auszustoßen für den glücklichen Klimaschützer.
Was mich auch noch daran nervt: Was macht Krombacher in Borneo?? Ich finde das Projekt gut (wenn es sorgfältig durchgeführt wird). Aber irgendwie lenkt es doch ein bisschen ab – in puncto Nachhaltigkeit kann man doch am Produkt noch viel mehr tun, als ein Team 10.000km weit zu schicken um fremden Leuten in anderen Ländern zu zeigen, wie Nachhaltigkeit gehen soll.
Schauen wir uns mal das Krombacher-Produkt an: Die Rohstoffe sind meist Brauwasser, Malz, Hopfen, Zucker – müsste eigentlich alles in Deutschland verfügbar sein. Vertriebsgebiet – Anteil national: 98%. Was machen die also in Indonesien?
Positiv bei Krombacher ist die Mehrwegflaschen-politik. Der Papiereinsatz (Kartonagen, Verwaltung, etc) ist schon ganz gut, auch wenn es noch besser geht. Doch dem gegenüber stehen viele eher negative Punkte entgegen: Gebrauchswasser pro Liter Bier (spezifischer Verbrauch) ist von 2006 bis 2010 um 5% gestiegen, der Stromverbrauch um ca. 6%. Und die ganze Produktion basiert auf Erdgas und weiteren fossilen Energieträgern. Ökostrom wird in Betracht gezogen, mal schauen, wie lange das noch dauert bis zum Umstieg, bis dahin wird in der Produktion jährlich weiterhin ca. 60.000 Tonnen CO2 in die Luft gestoßen. Ein Wechsel auf Bio-Rohstoffe konnte ich im Nachhaltigkeitsbericht 2010 auch nicht finden.
Da sind also noch Sachen, die in Deutschland gemacht werden könnten – doch Krombacher und WWF lenken die Augen ins Ausland. Weit, weit weg. “Die Plattform für strategischen Konsum und Nachhaltigkeit” Utopia.de hilft dabei mit Marketing. Hmpf.
Dass bei Krombacher von den 14 Geschäftsbereichsleitern keine Frau dabei ist oder dass Krombacher Formel-1-Sponsor ist… das ist Stoff für weitere Artikel und dabei belasse ich es erst mal.
Gerne würde ich hier mit einem Video von Hagen Rether beenden. Ein zynischer Beitrag über CO2 und Nachhaltigkeit, mich heitert es zumindest ein bisschen auf
. Viel Spaß dabei
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{ 5 comments }
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http://tinyurl.com/6zzgoov
Herzlichen Dank!
Es stimmt: Krombacher ist Changemaker.
Im Changemaker Manifest hat sich Krombacher auf weitreichende Nachhaltigkeitsziele verpflichtet, die die ganze Wertschöpfungskette umfassen.
Es werden also die Hausaufgaben vor Ort gemacht.
Und gleichzeitig mit dem Klimaschutzprojekt in Borneo ein gigantischer Beitrag zur Treibhausgas-Emission geleistet.
Von Ablenkung kann meines Erachtens keine Rede sein, denn Krombacher tut das eine, ohne das andere zu lassen.
Und wer Gutes tut, alles meines Erachtens alles Recht, auch darüber zu sprechen.
Mehr dazu auf http://www.utopia.de
Korrektur: zur Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen
Cooler Beitrag. Ich wusste gar nicht, dass Krombacher Sponsor der Formel 1 ist. Und dann von Nachhaltigkeit reden?!?!!? Manmanman…
Jeder “ambitionierte” Klimaschützer müsste einen solchen Langstreckenflug als “Preis” ablehnen. Wie absurd ist bitte der Zusammenhang?!
Es mag sein, dass Krombacher eine “Selbstverpflichtungserklärung” unterschrieben hat. Das ist löblich. Wenn es dabei aber auch noch die Formel 1 sponsort, ist das zusammen mit Nachhaltigkeit eine höchst unglückliche Kombination.
Schade eigentlich, denn Nachhaltigkeit könnte so viel mehr sein als nur ein weiterer Marketingkanal.